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Vorwerk Mitte. Lehesten,  Oertelsbruch - Rotbutt (Laura)

Im Zuge der Dezentralisierung entstand in Thueringen das „Vorwerk Mitte“ in der Nähe von Schmiedebach bei Lehesten.  Vor dem Anlauf der Raketenproduktion im Mittelwerk wurde die Entscheidung getroffen eine Anlage zum Probelauf der V2 Triebwerke in der Naehe der Produktionsanlagen (Dora) zu errichten. Eine solche Anlage vereinfachte die Prodution, da die Triebwerke hier ihren Probelauf absolvieren konnten und nicht ins entfernte Peenemuende transportiert werden mussten. Ungefaehr 10% der Triebwerke mussten einem Probelauf absolvieren. 

Gerhard Degenkolb, Martin Schilling and Bernhard Tessmann wählten das Gelände der Schiefergrube „Oertelsbruch“ fuer eine solche Anlage. Die Schiefergrube eignete sich ideal fuer diesen Zweck. Entlang der durch den Abbau entstandenen Schrämwand konnten Motorenpruefstaende angebracht werden  ohne das Abgasumleiter eingebaut werden mussten.

Die "Steinbruch Verwertungs GmbH" mietete die Anlage fuer 170,000 Reichsmark. Der Sitz der Verwaltung befand sich Atnang-Puchheim. Der Ausbau und die Verwaltung lag in den Haenden von Dr. Rickhey und SS-Sturmbannfuehrer Dr. Fritz Loth. Die SS-Sonderinspektion II unter SS-Hauptsturmfuehrer Gessen unterstuetzte das Projekt und lieferte Material und Arbeitskraefte. Neben den Pruefstaenden sollte eine Untergrundanlage zur Herstellung von fluessigen Sauerstoff errichtet werden. Die Entscheidung zur Errichtung der fluessigen Sauerstoffanlage hier in der Naehe der Pruefstaende war eine gute Entscheidung. Dadurch wurde eine lange Transportstrecke des fluessigen Sauerstoff vermieden.

Schon fuer laengere Zeit wurde im Oertelsbruch Schiefer im tage- und Stollenabbau gewonnen. Schon fruehzeitig zeigte die Wifo Interesse an der Anlage. Hier sollten wichtige Rohstoffe eingelagert werden. Akten der Wifo zeigen, das die Anlage zur Kuehler Morgen GmbH in Roettesdorf gehoerte.

Am 21. September 1943 begannen die Bauarbeiten.  Arbeitskraefte kamen aus dem KZ Buchenwald und wurden hier in einem Lager mit dem Decknamen Laura untergebracht. Innerhalb von 6 Monaten wurde die Anlage fertiggestellt und erhielt den Decknamen "Rotbutt".

Bei Beginn der Bauarbeiten waren 7 km Stollen und 54 Hallen vorhanden. Diese Hallen hatten eine Groesse von bis zu 400 qm und wurden bei den Bauarbeiten auf 600 qm Flaeche erweitert. Die in den Berg fuehrenden Stollen waren ungefaehr 2m breit und 2m hoch. Am Abbauort (die erwaehnten Hallen) waren die Stollen bis zu 15m hoch. Die Anlage war sehr trocken und eignete sich aus diesem Grunde vorzueglich fuer eine Einlagerung oder Produktion. Die Felsenabdeckung ueber den Stollen war sehr starck. In der Naehe der Anlage befanden sich Quartiere fuer 100 Arbeiter. Die Anlage hatte eine Flaeche von 20000qm.

Im Schieferbruch wurden die Pruefstaende errichtet.  Die Betonkammern der Prufstaende wurden in die  40 m hohen Waende des Schieferbruches eingebautt. Diese Betonkammern waren 3,6m lang, 3m weit und 4,2m hoch mit einer Wandstaerke von 0,40m. Die Rueckseite war offen.  Ein Stahlrahmen zur Aufnahme der Triebwerke befand sich im vorderen Teil der Kammern. Durch eine grosse Oeffnung im Boden der Kammern wurden die Abgase des Triebwerkes abgeleitet. Die zwei vorhandenen Kammern waren 25m voneinander entfernt eingebaut worden.  

Beim Probelauf wurden verschiedene Messungen durchgeführt und  aufgezeichnet. Zu diesem Zweck waren Kupferroehren eingebaut worden, die von den Brennkammern zu den Messinstrumenten in den Waenden der Kammern fuehrten.  Drähte uebermittelten die Messergebnisse zu Geraeten in zwei Kontrollraeumen  die diese Ergebnisse aufzeichneten.  Zwei solcher Kontrolraeume befanden sich im Bau. Verschiedene Messinstrumente waren bei Kriegsende schon eingebaut worden. 

Die zu erprobenden Triebwerke des A4 wurden vertikal auf einem  fahrbaren Stahlgerüst montiert, das auf  Schienen bewegbar war. So konnten die Triebwerke schnell  ohne große Mühe ueber die Abgasoeffnungen gefahren werden und der Versuch konnte beginnen.

In einem Stollen des Schieferbruch wurden Tanks eingebaut, in denen Alkohol und flüssiger Sauerstoff gelagert werden konnten. Dieser  etwa 100 Meter lange Stollen führte wiederum zu verschiedenen Nebenstollen, die ausgebaut wurden um hier flüssigen Sauerstoff zu  erzeugen. Von der Größe der Anlage her zu urteilen, wurde hier genug flüssiger Sauerstoff erzeugt um die Probelaeufe aber auch Fronteinheiten damit zu versor-gen. Bahnanschluesse fuehrten bis in die Anlage. Eisenbahntankwagen standen bereit um den fluessigen Sauerstoff abzutransportieren. Bei Kriegsende wurden Teile der Anlage von den Amerikanern demontiert und nach den USA gebracht.
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Die Stollen und Hallen gewaehrleisteten  eine sichere Produktion von fluessigen Sauerstoff. Lehesten produzierte 8 t  .pro Stunde. Die Produktion lief fuer 24 Stunden am Tag und fuer 27 Tage eines jeden Monats. Die restlichen Tage wurden benutzt um die Ausruestungsgegenstaende zu ent-eisen. Monatlich konnten ungefaehr 5000 t fluessigen Sauerstoffs produziert werden. Am Ende des Krieges wurde die Anlage von SS Offizieren den Amerikanern uebergeben. Warum die Anlage von SS Offizieren direkt an die Amerikaner uebergeben wurde, ist bis heute noch nicht geklaert. Wurden neben fluessigen Sauerstoff auch noch andere geheime Objekte produziert oder entwickelt?  Nach dem Abzug der Amerikaner uebernahmen die Russen die Anlage.

Am 15. Juli wurden Aleksey Isaev und Arvid Pallo nach Lehesten geschickt um die Anlage zu ueberpruefen. Die Russen fanden die Anklage nach dem Abzug der Amerikaner in einem guten Zustand. Im gleichen Monat kam der russische Triebwerksspezialist Valentin Glushko mit einer Gruppe von Experten des OKB-SD in Deutschland an.  OKB-SD war der Name des Entwicklungsbueros fuer Raketenstarthilfen fuer militaerische Fliugzeuge. Lehesten wurde die neue Heimat der Spezialsten unter Glushko und schon am 6. September 1945 wurde der Testbetrieb wieder aufgenommen. Dr. Joachim Umpfenberg leitete die ersten Probelaeufe, doch im gleichen Monat uebernahm V. L. Shabransky, einer der OKB-SD Spezialisten, den Testbetrieb. Er leitete die Versuche bis zum Januar 1947 dann wurden die Versuche in die Sowetunion verlagert..

Im August wurde im Zentralwerk die Entwicklung und Reparatur wieder aufgenommen.  Im Dezember 1945 arbeiteten 600 deutsche und russische Spezialisten im Zentralwerk. Im Maerz 1946 waren die ersten zwei A4 Raketen fertiggestellt. In Lehesten arbeiteten Deutsche und Russen an der Verbesserung des A4 Triebewerkes. Die Leistung konnte gesteigert werden. Zwischen Juli und September 1946 wurden 40 Probelaeufe mit dem verbesserten Triebwerk durchgefuehrt. Mit diesen Verbesserungen erreichte das Triebwerk einen Schub von 30 t.

Als die Russen die Lehesten Anlage verliessen, wurden von ihnen die Eingaenge der Anlage gesprengt. Erst am  20. November 1952 erinnerte man sich wieder an die Anlage. Zu diesem Zeitpunkt wurde eine Firma von den DDR Behoerden beauftragt die Grubenanlage zu saeubern. In einem Brief an das zustaendige DDR Ministerium schrieb die Firma das sich 88 t Altmetall in der Anlage befinden und das die Saeuberung Zeit und Geld in Anspruch nehmen wuerde. Nichts wurde daraufhin unternommen und man muss annehmen dass das Altmetall sich noch in der Grube befindet. Leider wurde nicht mitgeteilt um was es sich bei diesen Altmetall handelt. 

See also www.slatecity.de